LEHRAUSGANG DER 8. KLASSEN (LATEIN): Landesgericht Wien

Montag, 06 Mai 2019. Geschrieben in Projekte

Einen weiteren Grund zur Aufregung gab es, als wir die strenge Sicherheitskontrolle sahen, doch die Flughafen-ähnliche Prozedur gab uns noch mehr das Gefühl, etwas Besonderes zu machen. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, da die Gerichtsäle – anders als bei Law and Order – nur um die 15 Personen unterbringen konnten.

Der Protagonist des ersten Falles war ein 23-jähriger Mann, mit drei Kindern und Frau,welcher in den letzten sieben Jahren diverse Einbrüche begangen hatte und in Deutschland bereits verurteilt worden war. Da er die deutsche Sprache nicht beherrschte, war eine Dolmetscherin anwesend. Sein Anwalt war zwar nicht sonderlich sympathisch, spielte die Rolle, die wir erwarteten, jedoch sehr gut: Mit einer Mischung aus Respekt und Arroganz verpasste er dem Fall das Flair, das man aus Filmen kennt. Trotz seines Schuldgeständnisses und seiner bedingungslosen Kooperation wurde der Angeklagte zu weiteren 13 Monaten Haft verurteilt.

Bei dem zweiten Fall handelte es sich um den vermeintlichen Kauf von Substitol-Kapseln. Wie sich jedoch herausstellte, war in den Kapseln ein Antidepressivum abgefüllt. Da jedoch die zweite beteiligte Person nicht anwesend war, wurde die Verhandlung vertagt.

Bei dem dritten Fall wurde es sehr bizarr: Ein 19-Jähriger und ein Freund trafen einen Fremden auf der Straße und gingen sogleich zu ihm nach Hause. Alles schien gut zu laufen, es wurde gelacht und getrunken, als plötzlich der Besitzer der Wohnung die zwei Freunde beschuldigte, sein Handy gestohlen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt schälte der Angeklagte, laut eigenen Angaben, einen Apfel mit einem Messer. Die Diskussion wurde immer hitziger. Als er dann schließlich den ihm kurz zuvor noch Unbekannten bedrohte und zufällig dabei das Messer in der Hand hatte, entschied sich der Wohnungsbesitzer, seine neue Bekanntschaft anzuzeigen. Interessanterweise sind weder der ursprünglich Unbekannte noch der vermeintliche Freund des Angeklagten zu der Gerichtsverhandlung erschienen. Der Freund soll am Abend davor zu viel getrunken haben und daher nicht in der Lage gewesen sein, vor Gericht zu erscheinen. Die Verhandlung wurde vertagt. Bei unserem Ausflug in das Straflandesgericht haben wir nicht nur gelernt, dass wir keinen Apfel während einer Auseinandersetzung schälen sollen, sondern wir wurden in der anschließenden Fragerunde mit dem Richter auch mit dem Berufsfeld der Rechtsberufe sowie dem Ablauf von Gerichtsverhandlungen bekannt gemacht. Manche von uns hat dies motiviert, Jus zu studieren, uns allen hat es sehr eindringlich und abschreckend vor Augen geführt, welche Konsequenzen einen nach einer begangenen Straftat vor Gericht erwarten.

Es war die perfekte Mischung von Spannung, Bildung und präventiver Erziehung. Amanda Duller 8A